Belgische Nüchternheit

Belgische Nüchternheit

Dass sie von Herstellungsverfahren inspiriert sind, sieht man den Entwürfen von Sarha Duquesne und Levi Dethier an. Gerade technische Einschränkungen inspirieren sie. Doch es sind nicht alleine Materialien oder Methoden, die den Ausdruck ihrer Möbel charakterisieren. Deren ausserordentliche Sachlichkeit gründet vielmehr im nüchternen Blick, mit dem die beiden Designer ihre Umwelt beobachten.

Die beiden Designer Levi Dethier und Sarha Duquesne im Portrait.

Schlichter kann ein Regal kaum sein. Die Seiten flankiert von zwei Vierkanthölzer, zwischen diesen liegen die Tablare. Geometrisch einfach und als sachlicher Ausdruck seiner Funktion ist auch der Tisch der «Perimeter-Kollektion» ohne Allüren oder konstruktiven Überfluss. Im Gegenteil. Die statisch relevanten Finessen beider Stücke sind derart in die Details verarbeitet, dass man sie kaum wahrnimmt und man deshalb verleitet ist, den beiden Möbeln auf den ersten Blick ihre Stabilität abzusprechen.

Das Perimeter-Regal in der Ansicht.

Doch weit gefehlt: Gestell wie Tisch verblüffen mit ihrer Standhaftigkeit und beweisen, dass ihre Entwicklung kein Zufallsprodukt war. Vielmehr ist die «Perimeter-Kollektion» das vielbeachtete Resultat eines Experiments von Sarha Duquesne und Levi Dethier. Sie hatten den Wunsch, ein zusammenklappbares Möbelsystem zu entwickeln, als Übungsanlage mit offenem Ausgang entworfen. Und sich zur Aufgabe gemacht, einzig mit Standard-Industrieteilen eine in sich schlüssige Kollektion herzustellen.

Detailaufnahme: Im Pfosten eingelassen ist ein U-förmiges Stahlprofil, in welches das Tablar eingefügt wird.

2014 zeigten sie das Resultat erstmals der Öffentlichkeit. Ihre Antwort auf die selbstgestellte Frage brachte den beiden gleich unerwartet viel Aufmerksamkeit. Als sie mit ihrer Gemeinschaftsarbeit am Salone Satellite auftraten, der Show für Nachwuchsdesigner der Mailänder Möbelmesse, wurde das «Perimeter-Regal» mit dem «Design Report Award 2014» ausgezeichnet (und weitere Preise folgten). Die Begründung: Es sei überaus praxistauglich. Denn die vier Pfosten, U-Profile, Bretter und Schrauben lassen sich schnell weil einfach zu einem Regal montieren, das stabil ist. Es lässt sich erst noch leicht wieder transportieren, weil man es sich mit wenigen Handgriffen auseinandernehmen und flach verpacken kann. Auch der Tisch, eine Fusion von zwei Böcken und einer Tischplatte, entspringt dem selben Prinzip. Schon bald, versichern die beiden Designer, würden sie mit der Produktion in Serie gehen und den Objektmarkt anpeilen.

Der Tisch aus der Perimeter-Kollektion: Zwei Böcke aus Holz, darauf liegt die Tischplatte.

Seit dem Start von «LeviSarha» in Mailand haben die beiden einige andere Entwürfe wie die Tischleuchte «Drill Lamp» auf den Markt gebracht – ihrer Art, dies zu tun, sind sie dabei treu geblieben: «Es ist weniger das Material als die Produktionstechnik dahinter, die uns antreibt. Wir sind immer neugierig, uns auf neue Prozesse einzulassen und zu experimentieren und die Ästhetik unserer Objekte entsteht oft aus ihnen», sagt Sarha Duquesne.

Die Tischleuchten stehen auf dem Schneidetisch eines Marmorwerkes, auf der Tischfläche stehen die fertigen Leuchten und der Basaltstiein-Block, aus dem die Zylinder gebohrt wurden.

Die technischen Einschränkungen, die sich durch die Art der Verarbeitung ergeben, sehen sie nicht als Zwänge sondern als Ansporn, innovativ damit umzugehen. Diese Offenheit und Neugierde zeigt sich auch im Alltag. Ihr Interesse gilt unserem Umgang mit Objekten, das Observieren sei ihre wichtigste Inspirationsquelle. Sie steht ihnen als Basis für das gemeinsames Schaffen bei und ist der Kern ihrer Formensprache: Ihre Objekte strahlen jene Mischung aus Sachlichkeit und Nüchternheit aus, die ihnen als stille Beobachter so wichtig ist.

Der Schirmständer: Der Fuss ist aus schwarzem Marmor, oben sitzt ein Trichter aus Aluminium.

Detailaufnahme des Aluminium-Trichters, der auf dem Marmor-Sockel sitzt.

Über «LeviSarha»:
Sarha Duquesne und Levi Dethier (beide Jahrgang 1988) haben sich im Studium an der «La Cambre», der führenden Schule für Design und bildende Kunst in Belgien, kennengelernt. Danach machten sie ihren Master an der Ecole Cantonale d’art de Lausanne (ECAL). Zunächst arbeitete Sarha Duquesne in Paris für die Galerie Kreo, ging dann aber nach London zum Designer Sam Hecht. In der englischen Metropole traf sie Levi Dethier wieder, der nach einem Jahr bei Maarten de Ceulaer ebenfalls in London, im Studio des spanischen Designers Tomás Alonso, gelandet war. Zur Zeit arbeiten beide an Auftragsarbeiten, ihre eigenen Entwürfe und Ideen setzen sie immer unter dem gemeinsamen Label «LeviSarha» um. Mit potenziellen Produzenten als Abnehmer im Kopf, entwickeln sie zur Zeit einige Inneneinrichtungs-Objekte.

© by LeviSarha

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