Recycling-Holz in der einen Hand, Recycling-Plastik in der anderen

Upcycling oder: Design mit Zukunft

Fünf Produkte von IKEA zeigen, wie Recycling neue Perspektiven eröffnet, wenn es konsequent bis zur Produktion durchgreift.

Weltweit steigt die Abfallproduktion Jahr um Jahr an. Neue Ansätze, mit überflüssigen Materialien umzugehen sind deshalb gefragter denn je. Im besten Fall greifen diese Innovationen bis in die Produktionsprozesse ein und setzen bei den Ressourcen an. Das Stichwort dazu lautet: Upcycling. Aus Abfallprodukten wie Plastik, Papier oder Glas können mit der richtigen Recycling-Strategie neue, hochwertige Produkte hergestellt werden.

Plastik aus rezyklierten PET-Flaschen und Recycling-Holz in durchsichtigen Behältern

Dies erfordert nicht nur ein neues Bewusstsein für den Wert von Abfallprodukten, sondern auch eine genaue Auseinandersetzung mit den Materialien und Abläufen. Wo können wir in die Müll-Entsorgung eingreifen und daraus neuartige Recycling-Kreisläufe etablieren? Und wie überzeugen Upcycling-Produkte qualitativ wie auch ästhetisch? Um solche Fragen zu beantworten, sind transdisziplinäre Strategien gefragt. In Upcycling-Projekten arbeitet IKEA mit Teams aus Fabrikmanagern, technischen Experten, Designern und Materialwissenschaftlern zusammen. Bei zahlreichen Materialstudien, Prototypen, Testings und Überarbeitungen kommen sie Schritt für Schritt weiter, bis sie ein Abfallprodukte schliesslich zu neuem Leben erwecken.
Schreibtischunterlage aus Plastikabfall: SKRUTT

Transportpaletten mit zerbrechlichen Produkten werden von oben bis unten mit Plastikfolien umwickelt, um die Waren optimal zu schützen. Dabei kann eine Menge Abfall entstehen: Am Zielort angekommen, hat der Plastik seinen Zweck erfüllt. Nicht so bei SKRUTT, einer schwarzen Schreibtischunterlage fürs Büro, die im Rahmen des ersten Umcycling-Projekts der IKEA entwicklet wurde.

Die Schreibtischmappe SKRUTT auf einem Bürotisch mit Notizheften und Stiften

Das Produkt besteht zur Hälfte aus rezyklierten Transport-Plastikfolien, welche am Zielort eingesammelt und anschliessend sortiert, zermahlen, gewaschen, getrocknet und gefiltert werden. Die Recycling-Granulate gehen dann zum IKEA Zulieferer, wo sie mit einer kleinen Menge neuem Plastik gemischt, eingefärbt, formgepresst und zur Schreibtischunterlage zugeschnitten werden. So dient SKRUTT nicht nur als schlichte Basis für jeden Bürotisch, sondern auch als Paradebeispiel für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement.

In der Schweiz ist SKRUTT zurzeit nicht erhältlich.

Infografik zeigt Recycling-Ablauf der SKRUTT Schreibtischmappe

PET-Recycling zum besten: KUNGSBACKA & KUGGIS

Der globale Konsum von Pet-Flaschen ist enorm: Weltweit werden jedes Jahr rund 100 Billionen PET-Flaschen gekauft. Der Anteil der rezyklierten Flaschen ist dabei nach wie vor auf einem relativ tiefen Niveau von rund 30 Prozent. Gleichzeitig ist nicht immer transparent, ob und wie gesammelte Flaschen weiterverwendet werden. KUNGSBACKA ist eine moderne, schlichte Antwort auf die Frage, was mit gesammelten Plastikflaschen passieren soll: Das Küchensystem ist mit einer matt-schwarzen Folie aus wiederverwendeten PET-Flaschen überzogen, die eingeschmolzen, eingefärbt und zur Plastikfolie weiterverarbeitet wurden. Gleichzeitig besteht das Board der Küchenschränke aus reinem Recyclingholz. Im gewohnten Küchenumfeld erinnert KUNGSBACKA diskret daran, dass es sich lohnt, jede einzelne Plastikflasche zu sammeln.

Designerin kontrolliert die Folie aus Recycling-Plastik von KUNGSBACKA

Infografik links zeigt den Recycling-Ablauf von KUNGSBACKA, rechts das fertige KUNGSBACKA

Auch KUGGIS, ein praktisches Aufbewahrungssystem, wird aus granulierten PET-Flaschen hergestellt. Die formschönen Boxen in verschiedenen Grössen eignen sich zum Sammeln von Papier, Altglas oder PET und können insofern dazu dienen, den Recycling-Kreislauf im privaten Haushalt weiterzuführen.

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Altes Glas, neuer Look: PS 2017

In der Glasproduktion gelingt nicht jedes Objekt perfekt. Was aber passiert mit den misslungenen Stücken? Sie können die Grundlage für schöne neue Wohnaccessoires darstellen, wie die mehrfarbigen Glas-Vasen der PS 2017 Kollektion beweisen. IKEA hat die Kollektion aus rezykliertem Glas zusammen mit dem Zulieferer einer chinesischen Glasfabrik erarbeitet. Glas, welches wegen Blattern oder Produktionsfehlern nicht in den Verkauf kommt, wird nochmals geschmolzen, um es für die PS 2017 Vasen zu verwenden. Dabei geht es darum, die richtige Qualität zu erreichen und schöne Farben und Muster zu erzeugen. Das Resultat ist eine vivide Blumenvase, deren Finessen dem Zufall überlassen sind. Obwohl die gesamte Kollektion nach derselben Technik mundgeblasen wird, entfalten die einzelnen Stücke eine einmalige Optik: Denn das Glas ist aus ganz unterschiedlichen Überbleibseln des Partner-Glaswerks zusammengeschmolzen.

Infografik links zeigt Recycling-Ablauf der PS 2017 Vasen, rechts die fertigen mundgeblasenen Vasen

Leichtes Material mit schwerwiegendem Potential: M-Board

Es gibt Möbel aus allen möglichen Materialien von Holz über Glas und Metall bis zu Beton. Wohnobjekte aus Papier hingegen sind selten gesehen, obschon gerade diese Ressource sehr konsequent gesammelt und rezykliert wird. M-Board schafft die Voraussetzungen, um diesen Trend zu wenden. IKEA hat den leichtgewichtige Werkstoff in den vergangenen Jahren entwickelt: Das neue, finanziell und ökologisch interessante Plattenmaterial besteht zu 90% aus wiederverwendetem Papier, das bei IKEA zuvor zu Verpackungs- und Transportzwecken eingesetzt wurde. Ein M-Board erreicht dieselbe Stärke wie ein klassisches Brett – wie etwa MDF. Jetzt ist es beim Kinderzimmer-Schrank STUVA erstmals im Einsatz und zeigt, dass Upcycling auch optisch in keiner Weise nachzieht. Und nicht zuletzt ist das Recycling-Material zu 100% rezyklierbar.

Infografik links zeigt Recycling-Ablauf von M-Board, rechts die rohen M-Board Bretter

Kinderzimmer mit den weissen Kinderzimmermöbeln STUVA

Nachhaltiger Komfort auf neuem Level: ODGER

Fünf Jahre nach der Entwicklung der Schreibtischunterlage SKRUTT ist das Potential von rezykliertem Plastik auch im Möbeldesign angekommen – und lässt sich sehen! ODGER ist das Resultat einer Kooperation zwischen IKEA und dem schwedischen Designstudio. Der formschöne Stuhl, der noch dieses Jahr in den Farben Weiss, Blau und Naturbraun auf den Markt kommt, besteht zu 70% aus Recycling-Plastik und zu 30% aus wiederverwendetem Holz. Alle Formen und Winkel des neuen ODGER Stuhls unterstützen den bestmöglichen Sitzkomfort. Optisch machen die sichtbaren Recycling-Holz-Flakes die Sitzoberfläche interessant und verweisen subtil auf die Vorgeschichte des Materials.

Infografik links zeigt Recycling-Ablauf von ODGER, rechts der ODGER Stuhl in braun und blau

Tags: Democratic Design Design Papier Recycling Sustainability

Inter IKEA Systems B.V. 2018