Edisons Kunstsammlung

Edisons Kunstsammlung

In Immensee SZ steht die letzte Glühbirnenfabrik Europas, die Firma Righi Licht AG. Unentwegt produziert die Manufaktur Dekor- und Speziallampen, mehrheitlich für den Schweizer Markt. Wie lange sie dies noch tun kann, ist ungewiss. Denn die Glühbirne wird seit Jahren nicht nur von politischer Seite bedrängt, auch der technologische Fortschritt setzt ihr zu. lifeathome besuchte die Fabrik am Zugersee und fand einen Ort, an dem die Errungenschaften Edisons bis heute mit Hingabe und Wehmut bewahrt und produziert werden.

Als Thomas Edison am 27. Januar 1880 in den USA das Patent zur Glühlampe einreichte, besiegelte er den Siegeszug der elektrischen Beleuchtung. Viele andere Ingenieure vor ihm hatten zahlreiche Patente auf ähnlichen Erfindungen angemeldet, doch ihm war es gelungen, die Qualität des Glühfadens deutlich zu verbessern und der seriell herstellbaren Glühbirne den Weg zu ebnen.

Mit seinem Durchbruch nahm die Geschichte ihren Lauf: Die Nacht liess sich von einem Tag auf den nächsten besser nutzen und das elektrische Licht veränderte den Lebensstil der Menschen nachhaltig, weil die einfache Verfügbarkeit des Lichts unsere Abhängigkeit vom Tageslicht weitgehend aufgehoben hatte. Bis in die letzten Winkel dieser Welt war der Triumph zu sehen, den diese technische Revolution entfacht hatte. Er sicherte damit der Glühbirne ihren Platz im Museum. Heute ist genau das der letzte Ort, an dem sie offiziell noch glühen darf: Als Kulturgut, als leuchtendes Fabrikat unsere Geschichte, verbannt in die Pinakothek.

Geschäftsführerin Christina Taiana steht inmitten von Maschinen, die zur Herstellung von Glühbirnen dienen.

Beim Gang in die Fabrikationshallen des letzten Glühlbirnenherstellers in Europa fühlt man sich unweigerlich ein bisschen wie in einer Ausstellung. Zwar wird in der Manufaktur Righi Licht AG in Immensee weiterhin produziert, doch der Schritt zum Museum wäre trotz des geschäftigen Tuns der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohl nur ein kurzer. Als im April 2009 die EU eine Verordnung in Kraft setzte, wie stufenweise das Herstellungs- und Vertriebsverbot von Lampen geringer Energieeffizienz in den Mitgliedsländern umgesetzt werden soll, arbeiten in Immensee noch rund 70 Personen für Righi Licht AG. Heute sind es gerade mal 17, wie Geschäftsführerin Christina Taiana nicht ohne Wehmut bemerkt. Denn trotz grösseter Anstrengungen im Kampf zugunsten der Glühbirne: Gegen die verordnete Sparsamkeit beim Stromkonsum und das Verbot der Glühbirne ist sie machtlos und muss zusehen, wie diese Einflüsse ihr Geschäft erodieren.

Eine Mitarbeiterin konfektioniert Quetschfüsse mit Haltedrähten und Wolframfäden.

Eine Mitarbeiterin fädelt den Wolfram-Draht auf zwei Haltedrähte.

Zum Abbau der Arbeitsplätze beigetragen hat auch der Entschluss der Schweizer Regierung, per 1. September 2010 das Verbot von Glühbirnen aus der EU zu übernehmen und in der Schweiz in Kraft zu setzen. Ab diesem Zeitpunkt war der Fahrplan festgelegt, nach welchem Glühbirnen der Energieklasse G und F aus dem Verkehr gezogen werden mussten, per 2012 kam auch das Verkaufsverbot von Leuchtmitteln der Energieklasse E. Das Aus für die Glühbirne war von politischer Seite mit Argumenten des Energiesparens begründet worden, schliesslich konsumieren neue Leuchtmittel wie LED oder OLED in der Anwendung deutlich weniger Strom. Und die Industrie, allenvoran die grossen Hersteller, argumentierten mit der langen Lebensdauer der LED-Leuchtmittel: Brennt eine herkömmliche Glühbirne gerade einmal im Schnitt 1’000 bis 2’000 Stunden, so werden für hochwertige LED-Mittel heute weit über das hundertfache angegeben.

Das Bauteil einer Soffitte in der Entstehung: Das Glas wird mit einer Gasflamme erhizt damit die Haltestäbchen eingeschmolzen werden können.

Glaskolben liegen auf einem Stapel und warten auf die Weiterverarbeitung zur Glühbirne.

Trotzdem: Einige wenige Fachhändler bieten in der Schweiz weiterhin Glühbirnen zum Verkauf an. Eine Lücke im Gesetz macht’s bisher möglich. Denn die besagten Vorschriften gelten nur für Haushaltslampen, nicht aber für Spezial- und Dekolampen, wie sie in der Industrie oder in Restaurants zum Beispiel im Einsatz stehen. Diese Modelle sehen aus wie herkömmliche Haushaltsmodelle – nur dass das Innenleben minim anders ist, weil die Halterung des Glühfadens gegen Erschütterungen verstärkt ist.

Eine Mitarbeiterin fädelt einen langen Wolfram-Draht auf eine Haltespirale.

Dass Glühbirnen trotz ihres vergleichsweise höheren Energiebedarfs bis heute beliebt sind, liegt am Licht. Das Hauptargumente der Glühbirnen-Liebhaber gilt ihrer weichen und natürlicheren Lichtqualität. Christina Taiana ergänzt die Begründung mit medizinischen Überlegungen: «Viele Kundinnen und Kunden bestellen, weil sie sich auf gesundheitliche Probleme mit neuen Leuchtmitteln wie den LEDs berufen». Tatsächlich kann unter gewissen Umständen von LED-Licht eine Gefahr ausgehen, wie neue Studien des Bundesamtes für Gesundheit nahe legen. Denn LED-Quellen, die im industriellen Bereich zur Anwendung kommen, strahlen besonders viel blaues Licht ab, welches im Vergleich zum Licht einer herkömmlichen Glühbirne deutlich energiereicher ist. Dieses blaue Licht ist in der Lage, chemische Reaktionen zwischen biologischen Molekülen auszulösen, wobei hochreaktive Verbindungen entstehen, die das Gewebe der Netzhaut irreversibel schädigen können.

Eine Glühbirne im Testlabor: Jede Glühbirne wird vor dem Verlassen der Manufaktur au ihre Qualität getestet.

Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Industrie auch diese Herausforderung gelöst hat und alle LED-Lichtquellen ein gänzlich unbedenkliches Lichtspektrum aufweisen. Ungeachtet dessen will Christina Taiana zusammen mit ihrem Team in Immensee weiterhin Glühbirnen herstellen. Weil das Licht der Glühbirne in ihren Augen mit keiner anderen Lichtquelle zu ersetzen ist – und aus der Überzeugung, die Glühbirne als Stück Kulturgut am Leben erhalten zu müssen.

© by Raphael Rossel
Tags: Christina Taiana Glühbirnen Immensee SZ Righi Licht AG

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