«Schweizer Ready-made im Spazio Rossana Orlandi»

«Schweizer Ready-made im Spazio Rossana Orlandi»

Anlässlich der kommenden Mailänder Designwoche organisierte die GALERIE NOV eine Ausstellung, die das neue Ready-made untersucht. Präsentiert wird die Ausstellung im Spazio Rossana Orlandi, gezeigt werden 10 von einer Jury ausgewählte Designprojekte. Diese 10 ausgewählten Projekte entstanden im Ergebnis eines Aufrufs an Absolventen Schweizer Kunst- und Designschulen wie der ECAL und der HEAD.

Als Marcel Duchamp 1914 sein eigenes Werk als Ready-mades beschrieb, öffnete er für die vielen Künstler, die in seine Fussstapfen traten, das Tor zu einer Neudefinition der Kunst. Obwohl der Begriff von Duchamp zur Beschreibung seines eigenen Werks geprägt worden war, wurde er sehr bald von vielen Künstlern in einem weiteren Sinne verwendet, um Kunstwerke zu beschreiben, die aus vorhandenen Industrieprodukten abgeleitet sind.

Im Design kam der Begriff Ready-made in den Fünfzigern in Mode, am bekanntesten wurden in diesem Zusammenhang die Hocker «Mezzadro» und «Sella» der Castiglioni-Brüder. Die Definition des Ready-made im Design ist eng verbunden mit derjenigen in der Kunst, in grossen Stückzahlen industriell hergestellte Dinge unverändert in Kunstwerke einzubinden.

Der Begriff wurde auch für die Zweckentfremdung von Materialien wie bei Frank Gehrys Stuhl «Kleiner Biber» verwendet. Im Design leben die Ready-mades weiter und erleben eine Neuauflage (Joe Colombos Röhrensessel von Capellini). Heute ist das Bemühen, die Handwerkskunst und das Know-how wiederzubeleben unverkennbare Realität. Dabei werden vorhandene, dauerhafte und recycelte Materialien und Objekte aufgewertet, was sie einzigartig und wertvoll werden lässt.

Von wertlos zu erstrebenswert … Was ist Ihr neues Ready-made?

CÉLESTE
Hängeleuchter 2017
Laure Gremion

Leuchtendes Beispiel: Aus LED-Bändern hat Laure Gremion eine Hängeleuchte gewoben.

Laure Gremions Céleste ist ein Hängeleuchter, der die Flexibilität von LED-Streifen nutzt. Das Leuchtband wird für gewöhnlich auf eine steife Fläche aufgebracht und festgeklebt. Céleste hingegen unterstreicht die Flexibilität des Bandes. Ineinander verschlungene federgleiche Schleifen schaffen einen Lichtschatten, der warm leuchtet. Die in regelmässigen Abständen angeordneten Dioden erinnern an die Kristalle der Leuchter von einst. Ein oder zwei Module bilden eine Aufhängung, die sich entsprechend ihrer Stellung auf Rundung, Gestalt und Grösse der Leuchte auswirken. Einsetzbar zu jedem Interieur passt Céleste ebenso gut zu einer Eingangshalle wie einem Speisezimmer.

FOAM ME
Tisch und Stuhl 2017
Manon Portera & Cecile-Diama Samb

Aus Polyurethan-Schaum haben die Designer Manon Portera und Cecile-Diama Samb Blöcke geschnitten und diese zu Möbel-Skulpturen neu zusammengesetzt.

FOAM ME ist aus der Faszination für ein ganz besonderes Material entstanden – Polyurethanschaum. Normalerweise wird er auf dem Bau verwendet, doch häufig kommt er bei Objekten des täglichen Gebrauchs wie Sofas oder Matratzen zum Einsatz. Trotz der Qualitäten, die in ihm stecken, und der vielen Verwendungsmöglichkeiten, ist das Material praktisch nie zu sehen. Diese Beobachtung war Ausgangspunkt für die Entwicklung von FOAM ME als Serie von Möbelstücken, die verschieden aufgestellt werden können. Es kann auf verschiedene Seiten gestellt werden und bietet je nach den Bedürfnissen einer Person neue Verwendungsmöglichkeiten. Um diesen Aspekt zu betonen, haben die Stücke abstrakte Formen; sie sind von den Diktaten der Konvention befreit und können von den Benutzern so interpretiert werden, wie es ihnen passt.

FUNNEL
Regenschirmständer 2017
LeviSarha

Ein Schirmständer: Oben ein Trichter, unten ein schwarzer Marmorsockel.

Der Trichter (engl. funnel) ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Meistens ist er aus Kunststoff, am pfiffigsten sieht er in Aluminium aus. Das Ready-made ergreift vom industriell gefertigten Haushaltsartikel Besitz und veredelt ihn durch die Kombination mit einem Stein. Auch wenn der Trichter seinen gewöhnlichen Kontext verlassen hat, seine Funktion bleibt doch dieselbe: Er sammelt Flüssigkeiten. In diesem Fall Regen.

RTB LAMP
Leuchte 2017
Vincent Dechelette

IKEA-NOV-Gallery_06

Die RtB Leuchte ist eine kleine wandernde Schreibtischleuchte. RtB bedeutet „ready to blow/bright“ und bezieht sich auf die ursprüngliche Funktion des Diffusors (Blendschutzes), bei dem handelt es sich nämlich um einen PET-Rohling, aus dem normalerweise Kunststoffflaschen geblasen werden. Der Terrazzo-Sockel ist aus einem Verbundmaterial, welches Recyclingglas, Stein und Polymere mischt. Er sublimiert das wertlose Halbzeug und verwandelt es in ein Galerie-Objekt, das vom Licht enthüllt wird. Die Abdeckung schafft die Spannung im Stück und dient als Aufnahme für eine flache LED-Lichtquelle.

THE LOCKED OBJECTS
Regal und Tisch 2017
THEVOZ-CHOQUET

Wandmöbel: Ein Glastablar, die Bücherstütze ist gestalterisch einem U-Schloss für Fahrräder entlehnt.

Die Reihe Locked Objects ist eine persönliche Neuinterpretation der Funktion eines universellen Archetyps: des Fahrradschlosses. Sein geometrisches Design ist grosszügig zeitgemäss und seine Funktion ganz offensichtlich. Warum sollte diese Art der Form ausschliesslich Fahrräder abschliessen? Ausgehend von dieser Feststellung und unter Berücksichtigung der ursprünglichen Ästhetik und Zweckbestimmung dieses vorhandenen Objekts, haben wir es in eine andere Kategorie überführt, in diejenige des Wohnmöbels. Die Symbolik hinter dem Abschliessen eines Objekts vermittelt die Vorstellung von Zusammenfügen, Robustheit und Sicherheit, etwas, was wir beim Entwurf eines Glasregals zum Ausdruck bringen wollten; zerbrechlich auf den ersten Blick, aber sicher gefügt mit Hilfe von 2 Bügelschlössern: ein Ready-made Objekt für ein steady-made Produkt, ein vorgefertigtes Objekt für ein solides Produkt.

© by Thevoz Choquet
Tags: Furniture Fair 2017 Laure Gremion LeviSarah Manon Portera & Cecile-Diama Samb Möbelmesse Mailand 2017 Nov Gallery Spazio Rossana Orlandi Thevoz-Choquet Vincent Dechelette

Inter IKEA Systems B.V. 2018