«Themen wie «Flatpack Furniture» und Selbstmontage sind aktueller denn je.»

«Themen wie «Flatpack Furniture» und Selbstmontage sind aktueller denn je.»

Nils Ferber hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie Polstermöbel gebaut werden müssten, um leichter und weniger arbeitsintensiv zu sein. Mit seiner Antwort «Hollow Chair» zeigt er Wege auf, wie dies gehen könnte. Sein Konzeptsessel wurde zusammen mit 11 anderen für den «Furniture Design Award» in Singapur nominiert. Am 8. März 2017 findet die Preisverleihung statt, wir sprachen im Vorfeld mit ihm über seinen Entwurf.

Der Sessel gesehen von vorne.

Deine Eingabe fragt, wie ein Sitzmöbel leichter gebaut werden kann um es einfacher zu transportieren. Was hat Dich zu Hollow Chair inspiriert?
Viele aufstrebende Furniture Brands vertreiben ihre Produkte inzwischen direkt über das Internet und bedienen einen globalen Markt. Themen wie «Flatpack Furniture» und Selbstmontage sind daher aktueller denn je. Was in diesem Kontext bislang aber noch nicht zu finden ist, sind Postermöbel. Deren Herstellung ist nach wie vor sehr arbeitsintensiv und wenig flexibel. Dies wollte ich mit dem Hollow Chair ändern.

Der Sessel von hinten: Im seinem Rücken verläuft ein Reissverschluss.

Ist Dein Sessel auch eine Antwort auf die Digitalisierung?
Sicherlich geht es auch darum das Potential digitaler Fertigungstechnologien auszunutzen. Der Sessel wird in einem automatisierten Prozess aus einem flachen Stück Filz gefräst. Dadurch entfallen Rüstkosten oder Investitionen in den Werkzeugbau. Die Fertigung kann an beliebigen Standorten stattfinden und erfordert kaum Vorkenntnisse.

Hast Du bereits einen Produzenten für Deinen Sessel?
Bislang noch nicht, ich hoffe aber während der «International Furniture Fair Singapore» Interessenten zu finden.

Der Filz bei Hollow Chair ist aus recykliertem PET: War die Nachhaltigkeit von Anfang an ein Thema beim Entwurf?
Mich interessiert vor allem die Umwertung eines Materials. Der verwendete Filz wird aus kostengünstigem Rohmaterial produziert und wird normalerweise als widerstandsfähiges Schutzmaterial in der Metallindustrie verwendet. Gleichzeitig ist das Material extrem vielseitig und den Einsatzmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt.

Der gefräste Filz liegt ausgebreitet am Boden.

War dies gleichzeitig auch die grösste Herausforderung?
Für meinen Entwurf muss das Material verschiedene Funktionen erfüllen: Einerseits bildet es die tragende Struktur, andererseits sorgt es für die Polsterung der Sitz- und Rückenfläche. Diese Differenzierung mit kleinstmöglichen Aufwand zu erreichen war sicherlich der entscheidende Punkt im Prozess.

Der Sessel in seinen Einzelteilen: Die Filzrolle und ein paar Stahlstäbe.

Ein Konstruktionsdetail: Um die Stahlstäbe wird der Filz gelegt.

Planst Du eine Erweiterung der Kollektion?
Die Geometrie des Hollow Chair ist sehr speziell: Alle vier Seitenwände haben einen dreieckigen Querschnitt, um die Sitzfläche zu stützen. Gleichzeitig sind sämtliche Flächen an allen Seiten fest miteinander verbunden. Dieses Prinzip definiert im Grunde die Formgebung des Sessels und ist nicht ohne weiteres auf andere Entwürfe übertragbar. Ausschließen würde ich es aber trotzdem nicht.

Der Sessel als konischer Zylinder beim Aufbau.

Wie erklärst Du Dir, dass gleich zwei Eingaben aus der Schweiz es unter die 12 Finalisten schafften?
Das ist wirklich erstaunlich. Ich möchte nicht ausschließen, dass es sich dabei um reinen Zufall handelt, aber es könnte natürlich auch für den berüchtigten Schweizer Innovationsgeist sprechen oder ein Beleg dafür sein, dass das Designverständnis hierzulande über rein ästhetische Fragestellungen hinausgeht.

© by Nils Ferber
Tags: Furniture Design Award Hollow Chair Nils Ferber

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