«Crowdfunding wäre mit Sicherheit eine vielversprechende Option.»

«Crowdfunding wäre mit Sicherheit eine vielversprechende Option.»

Die «Micro Wind Turbine» hat dem Produktdesigner Nils Ferber eine Nomination für den James Dyson Award eingebracht. Dank seiner mobile Ladestation kann man an den abgelegendsten Orten das Handy und andere Geräte aufladen. Als er sein Projekt letzten Herbst präsentierte, war die Fachwelt begeistert, designboom und andere internationale Medien berichteten. Wir fragten nach und wollten wissen, wo die Entwicklung der portablen Stromquelle heute steckt.

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Die «Micro Wind Turbine» war Dein Masterprojekt an der ECAL. Du musst selber begeisterter Outdoor-Sportler sein?
Ich selbst verbringe meine Freizeit am liebsten in der Natur und war schon auf zahlreichen Trekking- und Kanu- oder Fahrradtouren. Je länger und abgeschiedener die Strecke, desto besser. Zuletzt bin ich den 450km langen Kungsleden in Lappland gelaufen. Dabei stellt sich natürlich jedesmal die Frage, wie ich meine Kamera und mein GPS-Gerät unterwegs mit Energie versorgen kann. Die existierenden Lösungen haben mich dabei nie vollständig überzeugt.

Die Reaktionen auf dem Markt liessen nicht lange auf sich warten, Du hast einen Nerv getroffen. Was hattest Du im Vorfeld der Entwicklung unternommen, um das Kundenbedürfnis besser einschätzen zu können?
Ausgehend von meinen eigenen Erfahrungen stellte ich mir die Frage, wie professionelle Abenteurer und Sportler dieses Problem lösen. Ich kontaktierte eine Reihe von Bergsteigern, Expedionsleitern und Filmemachern und führte kurze Interviews durch. Tatsächlich war die Abhängigkeit von Solar-Paneelen für sie ein großes Problem. Auch wenn die meisten elektronischen Geräte nicht überlebensnotwendig sind, stellen Kameras, Satellitentelefone und Filmequipment inzwischen einen wichtigen Teil der Ausrüstung dar. Ohne mediale Dokumentation wären viele ihrer Projekte gar nicht erst finanzierbar.

Die «Micro Wind Turbine» ist eine Innovation, die es in dieser Form nicht gab. Welche technischen Herausforderungen stellten sich bei der Entwicklung der Turbine?
Eine der größten Herausforderungen war die Entwicklung einer Konstruktion, die einerseits leicht und einfach zusammenlegbar ist, andererseits aber wechselnden Windlasten standhält und genügend Energie umsetzen kann, um den gewünschten Output zu erzielen.

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Die «Micro Wind Turbine» ist als Alternative zu herkömmlichen Solar-Paneelen gedacht. Ist sie dafür nicht anfälliger auf Defekte?
Klar, sie ist und bleibt eine mechanische Windmaschine bei der viele Teile zusammenwirken müssen. Ich sehe sie eher als Ergänzung zu Solar-Paneelen oder in Szenarien, wo Wind sehr viel verlässlicher vorhanden sein wird als Sonnenschein.

Über die Micro Wind Turbine wurde viel geschrieben. Dennoch fand sich bislang kein Produzent, der investiert, um sie zur Serienreife zu bringen. Woran liegt das?
Interessenten gibt es durchaus, ich bin zur Zeit mit verschiedenen Parteien im Gespräch. Die Schwierigkeit besteht in den extremen Anforderungen an das Produkt: Wechselnde Windlasten und Wettereinflüsse, hohe Robustheit und geringes Gewicht, starke Beanspruchung der Materialien… Das alles muss mit Komponenten gelöst werden, welche den Preis in einem erschwinglichen Rahmen halten.

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Das Produkt hat – auch gemessen an der Dringlichkeit des Themas Nachhaltigkeit – grosses Potenzial. Wenn Du dennoch keinen Investor findest: Welches wären die nächsten Schritte, um das Produkt auf den Markt zu bringen?
Ich arbeite zur Zeit an der Weiterentwicklung der Turbine und bin zuversichtlich, sie in absehbarer Zeit zur Marktreife zu bringen. Um die Finanzierung mache ich mir eigentlich die geringsten Sorgen: Das öffentliche Interesse ist enorm und Crowdfunding wäre mit Sicherheit eine vielversprechende Option.

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Zusätzliche Informationen:
– Leistung: Bei 5 Watt Ausgangsleistung werden USB-Geräte genauso schnell geladen wie an jeder Steckdose. Beim iPhone 6, welches im Video zu sehen ist, beträgt die Dauer ca. 120 Minuten.
– Gewicht: Die Windmaschine ist knapp unter 1’000gr schwer.
– Interessenten melden sich direkt bei Nils Ferber.

© by Nils Ferber
Tags: Micro Wind Turbine Nils Ferber

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