Wohnen in Japan

Wohnen in Japan

Die Architektin Katia Ritz und der Designer Florian Hauswirth sind ein Paar, teilen sich in Biel das Atelier und brachen im August mit ihrem vierjähigen Sohn aus dem Berufsalltag zu einer mehrmonatigen Reise nach Asien auf. Ihr Ziel: Bekanntes und Alltägliches infrage zu stellen indem sie in fernöstliche Lebens- und Wohnkulturen eintauchen und zwischen ländlicher Abgeschiedenheit mongolischer Dörfer und der baulichen Dichte von Megacities wie Tokio oder Hongkong neue Impulse für ihre Arbeit suchen.

Ihr Projekt «Tabularasia» wird mit einem Reisestipendium des Kanton Bern unterstützt und mündet nach ihrer Rückkehr in einer Ausstellung und Publikation der Impressionen und Arbeiten.

Für den Blog «life at home» gingen sie der Frage nach, wie Menschen in der Mongolei, in China und in Japan wohnen und dokumentierten ihr Eindrücke in einer dreiteiligen Reportage.

Das traditionelle japanische Haus ist um einen zentralen Raum herum organisiert. Ihn umranden wintergarten-artige Gänge, die wie eine zweite Haut funktionieren. Deshalb ist die Wandstruktur im Innern dünn und besteht aus Holz und Papier. Diese Wände nennt man «Shōji» – sie sind nicht witterungsfest und dienen in erster Linie als Sichtschutz. Der Tatami-Boden breitet sich wie eine hochwertig verarbeitete Strandmatte vor einem durch das ganze Haus aus. Diese isolierenden Matten mit verstärktem Rand werden in einer genormten Grösse fabriziert und sind ca. 5 Zentimeter dick. In Japan gibt man die Grösse der Zimmer nicht etwa in Quadratmeter, sondern in der Anzahl der Tatamis an: Ein «6er» oder «8er» Tatamizimmer zum Beispiel.

Die Räume sind eher klein. Direkt auf die Tatami rollt man abends die Futon-Matraze aus. So spart man den Tag hindurch Platz. Futons werden in der Regel in Wandschränke mit Schiebetüren verstaut.

Aus hygienischen Gründen zieht man immer die Schuhe aus, bevor man ein Wohnhaus betritt. Es gibt überall Pantoffeln in die man schlüpfen kann. Manchmal sind sie auch speziell in Zonen «parkiert» – je nach Grundriss des Hauses und aber immer vor dem Eingang zum Zimmer oder zur Wohnung.

Vom zentralen Wohnraum blickt man in den Vorgarten des Hauses.

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Die Aussenwände werden oft aus Holz gebaut und sind gut isoliert – im Winter fallen in Japan die Temperaturen unter den Gefrierpunkt.

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Zu Gast auf dem Sofa: Das etwas «verwestlichte» Besucher-Wohnzimmer steht im Zentrum des Hauses und diente zugleich als unser Schlafzimmer.

Die Japaner sind auf zurückhaltende Art sehr zuvorkommend und gastfreundlich. Sie sind reservierter als wir Schweizer aber aufmerksamer und sehr liebevoll. Rechts im Bild ist unsere Gastfamilie, neben ihnen im Hintergrund sieht man ein kleines, sehr gut besuchtes Restaurant, die «Hütte» eines gestrandeten amerikanischen Töpferers.

Wir wurden oft sehr freundlich empfangen und es entstanden dabei gute Kontakte – auch wenn wir die Sprache des Landes nicht beherrschten. Viel Sympathie wurde uns wohl auch entgegengebracht, weil wir als Familie mit einem kleinen Kind unterwegs waren. Unser Sohn Flynn hat sich selbstverständlich für andere Kinder interessiert. Dank ihm konnten wir vieles durch seinen Augen sehen. Natürlich mussten wir unser Tempo dem eines 4-Jährigen anpassen. Eine Reise als Familie setzt viele Pausen auf Spielplätzen oder Parks voraus – die glücklichsten Momente entstanden immer dort, wo es Sand, Erde oder Wasser gab.

Florian Hauswirth

Das Handwerk und die Auseinandersetzung mit dem Material und seinen konstruktiven Möglichkeiten zeichnen seine Arbeiten aus. Vor der Weiterbildung zum Industriedesigner arbeitete der Bieler Florian Hauswirth als technischer Modellbauer für Vitra. Seit einigen Jahren betreibt er ein eigenes Designstudio und arbeitet für Kunden wie „Stattmann Neue Möbel“, „Tossa“ oder den Teppichhersteller „Nodus“. Zusammen mit seiner Partnerin, der Architektin Katia Ritz und Sohn Flynn, tourt er mit einem Reisestipendium des Kantons Bern zur Zeit durch Asien. Für den Blog life at home berichtet er über’s Wohnen und andere Gewohnheiten.

© by Florian Hauswirth
Tags: Florian Hauswirth Japan Katia Ritz Mongolei Peking Shanghai Tabularasia Tokyo Wohnen in China

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