20 Jahre blickfang Zürich – das Interview<br /> zum Jubiläumsanlass

20 Jahre blickfang Zürich – das Interview
zum Jubiläumsanlass

Als Dieter Hofmann 1996 im Zürcher Kongresshaus die erste blickfang veranstaltete, ahnte niemand, dass damit der Grundstein einer 20-jährigen Erfolgsgeschichte gelegt war. Heute gibt es an der Messe ausschliesslich in Europa produzierte Designmöbel, Kleider und Accessoires von Labels zu kaufen, die sich auf Klein- und Kleinstserien konzentrieren. Damit wurde die blickfang zu einem der bedeutendsten Absatz- und Kommunikationskanäle für Designerinnen und Designer, die im Direktkontakt mit den Kunden ihre Produkte vertreiben wollen. Aus der Pionier-Messe von einst wurde mit der Zeit ein Garant für eine vielfältige und belebte Schweizer Designszene. Im Gespräch mit dem Gründer und der Geschäftsführerin Jennifer Reaves blickt Life At Home auf zwei Jahrzehnte Messebetrieb zurück.

Die Geschäftsführerin der blickfang, Jennifer Reaves (M) und Dieter Hofmann, Gründer im Gespräch mit Johanna Wittmaak.

Jennifer Reaves und Dieter Hofmann im Gespräch.

Blog Life At Home: Vor 20 Jahren veranstaltetest Du die erste blickfang in Zürich? Hattest Du Dir je vorgestellt, dass Du zwei Jahrzehnte später in Zürich das 20. Jubiläum feierst?

Portrait Dieter Hofmann

Dieter Hofmann: Nein, ich habe nicht erwartet, dass die blickfang Zürich solch eine Erfolgsgeschichte wird. Natürlich habe ich daran geglaubt, aber letztlich hat uns der Erfolg und die Entwicklung doch sehr überrascht.

Nebst Zürich veranstaltet Ihr in Hamburg oder Wien die «gleiche» Messe. Was zeichnet Zürich im Vergleich zu anderen aus?

Dieter Hofmann: Die blickfang ist auf der einen Seite natürlich überall die blickfang, sie tritt somit also als Marke auf und wir achten sehr auf ein einheitliches Erscheinungsbild. Auf der anderen Seite war und ist uns aber auch der regionale Einfluss sehr wichtig, der einen Teil der Erscheinung vor Ort mitprägt und somit auch ein Teil der Identität ist. Zürich ist mir der liebste Standort, da wir hier solch tolle Aussteller und Partner haben und ich auch den Schweizer Purismus sehr schätze.

Ihr seid an der blickfang gewachsen wie die Messe selbst, habt das Format konstant weiterentwickelt. Gibt es im Rückspiegel Erfahrungen, die Ihr kein zweites Mal machen möchtet?

Dieter Hofmann: Fehler zu machen gehört einfach zum Leben dazu. Somit will ich auch keine «Fehler» und «Pleiten» missen, da wir immer daraus gelernt haben und letztlich daran gewachsen sind.

Die blickfang ist für viele Designer und Kleinlabels einer der wichtigsten Termine im Jahr, es geht um Sichtbarkeit, Marktauftritt und Reputation. Wie kommt Ihr mit dieser Erwartungen zurecht, schliesslich ist die blickfang Schaufenster und Schwungrad zugleich?

Dieter Hofmann: Diese Erwartung ist Antrieb und Motivation zugleich. Daran wollen wir uns gerne messen lassen und wir versuchen auch jedes Jahr aufs Neue, dem gerecht zu werden.

Die blickfang konnte in den letzten Jahren mit neuen Formaten das Messeportfolio erweitern. Ein notwendiger Schritt um sich gegenüber der Konkurrenz noch besser zu positionieren?

Portrait Jennifer Reaves

Jennifer Reaves: In der Tat hat sich der Designmarkt in den vergangenen 10 Jahren stark verändert. Mittlerweile gibt es in jeder halbwegs grösseren Stadt eine Designverkaufsmesse und auch zahlreiche Onlineshops werben mit «authentischem Design» direkt vom Designer. Die Notwendigkeit, sich zu positionieren, ist also grösser denn je. Für uns bedeutet das, sich stark auf das eigene Konzept und die Punkte zu konzentrieren, die uns von anderen Plattformen unterscheidet. Erstens werden die Aussteller der blickfang, anders als bei vielen anderen Veranstaltungen, sorgfältig kuratiert. Designer können also nicht einfach ausstellen. Ein Fachgremium prüft alle Einreichungen auf Qualität, Innovation und Ästhetik. Ausserdem ist unsere Zielgruppe älter als viele vielleicht annehmen. Wir konzentrieren uns zweitens auf die 35 – 55 jährigen mit der nötigen Wertschätzung für die Leistung der Designer und auch dem nötigen Budget.

Das führt mich zum dritten Punkt: Die Produkte auf der blickfang haben ihren Preis. Das liegt vorrangig an der Tatsache, dass sie in Klein – und Kleinstserien hergestellt sind und dies auch ausschliesslich in Europa. Das fordert seinen Preis und schlägt sich aber auch in der Langlebigkeit und der Qualität der Entwürfe wieder. Natürlich spielt aber auch die Tatsache eine grosse Rolle, dass wir international tätig sind und mit dem Onlineshop, dem Designpreis, dem Designworkshop, dem Kurator des Jahres und vielen weiteren Themen für ständige Berührungspunkte sorgen für gutes unabhängiges Design.

Impression von der letztjährigen blickfang: Eine Besucherin an einem Messestand.

Es braucht in der Designbranche viel Durchhaltewille. Gerade als kleines Label, das mit lokal hergestellten Produkten im Bereich Möbel und Textilien eine überschaubare Zahl Kunden anspricht. Mit Eurer Erfahrung: Was ist Euer Rat an Nachwuchstalente?

Jennifer Reaves: Mich erschreckt immer wieder, wie unerfahren und zeitweise auch naiv junge Designer in Sachen Unternehmertum sind. Dazu gehört, seine Branche zu kennen mit allen Herausforderungen und Möglichkeiten, die sie bietet. Aber auch eine gesunde Einschätzung des Marktpotentials, eine ordentliche Preiskalkulation, ein Überblick über mögliche Partner, Hersteller oder Vertriebskanäle. Ich sehe viele Designer, die nach wie vor davon träumen, ausschliesslich neue Produkte zu gestalten und die eigentliche Arbeit, nämlich einen Entwurf bis zum Schluss voranzutreiben, unterschätzen. Ich denke auch, dass Hartnäckigkeit einen grossen Unterschied macht. Man darf einfach nicht zu schnell aufgeben, denn der Markt wird einem ganz sicher Steine in den Weg legen. Schliesslich hat keiner auf das Produkt gewartet. Eine gewisse Flexibilität ist sicherlich auch von Vorteil, bzw. die Fähigkeit, sich unvorhergesehenen Ereignissen anzupassen.

Ihr veranstaltet pro Jahr fünf Messen. Hat man da nicht einmal genug von diesem teils hektischen Betrieb und den Entbehrungen, die das viele Reisen mit sich bringt?

Jennifer Reaves: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas entbehre. Im Gegenteil: ich bin unheimlich dankbar und glücklich über die Möglichkeiten, die meine Tätigkeit bei der blickfang mir bietet. Ich reise viel, lerne unheimlich interessante Persönlichkeiten aus der internationalen Designszene kennen, kann aufregende Events besuchen. Das macht mir sehr grosse Freude. Aber natürlich bin ich auch ein Familienmensch und weiss meine Freizeit, die ich am liebsten mit meiner Familie irgendwo zu Fuss unterwegs in den Bergen verbringe, ausserordentlich zu schätzen. Ich habe es ausserdem sehr gerne hektisch! Da blühe ich richtig auf und wenn es nichts zu tun gäbe, würde ich definitiv dafür sorgen!

In einem kürzlich publizierten Interview habt Ihr gesagt, dass Ihr an einer blickfang-Edition arbeitet. Erwarten uns in Zukunft blickfang-Tische und ebensolche Stühle?

Dieter Hofmann: Die Idee der blickfang-Edition ist für mich ein Herzensthema – mit ausgewählten Designern gemeinsam an einer Kollektion zu arbeiten und diese sichtbar in der Welt zu vertreiben, das begeistert mich. Ob das dann letztlich Stühle und Tische oder Accessoires sind, wie unsere Tischtuch-Edition «drop» von Studio Besau-Marguerre, wird man sehen und wir werden berichten.

blickfang limited Edition: Ein Tischtuch des Studios Besau-Marguerre

In wenigen Tagen steigt in Zürich das Jubiläum: Was sind Eure Highlights?

Jennifer Reaves: Ich freue mich ganz besonders auf unserer Geburtstagsfesttafel, inszeniert von dem Hamburger Designstudio Besau-Marguerre. Herzklopfen verschafft mir auch der Gedanke, unser erstes eigenes Produkt, nämlich die Tischdecke und die Servietten Drop, in den Händen zu halten. Die werden nämlich wirklich gerade so zur blickfang in Zürich fertig! Ich freue mich aber auch auf die vielen Überraschungen, die wir im Zuge unseres Jubiläums für die Besucher bereit halten, angefangen vom eigenen Signature Drink, hin zu coolen neuen Bar- und Lounge Flächen. Ich glaube, dass das eine richtige tolle blickfang wird in diesem Jahr!

© by blickfang
Tags: 20-Jahr-Jubiläum Blickfang blickfang Zürich Dieter Hofmann Jennifer Reaves

Inter IKEA Systems B.V. 2018