TABULARASIA:<br /> Wohnen in Peking und Shanghai

TABULARASIA:
Wohnen in Peking und Shanghai

Die Architektin Katia Ritz und der Designer Florian Hauswirth sind ein Paar, teilen sich in Biel das Atelier und brachen im August mit ihrem vierjähigen Sohn aus dem Berufsalltag zu einer mehrmonatigen Reise nach Asien auf. Ihr Ziel: Bekanntes und Alltägliches infrage zu stellen indem sie in fernöstliche Lebens- und Wohnkulturen eintauchen und zwischen ländlicher Abgeschiedenheit mongolischer Dörfer und der baulichen Dichte von Megacities wie Tokio oder Hongkong neue Impulse für ihre Arbeit suchen.

Ihr Projekt «Tabularasia» wird mit einem Reisestipendium des Kanton Bern unterstützt und mündet nach ihrer Rückkehr in einer Ausstellung und Publikation der Impressionen und Arbeiten.

Für den Blog «life at home» gingen sie der Frage nach, wie Menschen in der Mongolei, in China und in Japan wohnen und dokumentierten ihr Eindrücke in einer dreiteiligen Reportage.

Moderne Wohnung in Hutong, Peking - unterer Stock

In der chinesischen Hauptstadt Peking lebten wir in einer stilvollen Wohnung in der Altstadt des Quartierts Hutong. Eine durchlässige Backsteinmauer trennte uns vom lebendigen und bunten Treiben der 11.5 Millionen Einwohner zählenden Grossstadt. Die lange Zugfahrt in die Stadt half uns, die Eindrücke aus der Mongolei zu verdauen und uns auf den krassen Gegensatz vorzubereiten, der uns in China erwartete. Unsere erste Wohnung war deshalb ein perfekter Rückzugsort: Sie hatte eine kleine Grundfläche und war auf zwei Etagen verteilt. Im unteren Stock lag der Wohnbereich mit Bad, ein kleines Zimmer und einer Ecke der Kühlschrank und ein Wasserkocher.

Eine Küche gab es keine – Essen kauft man als Gast hauptsächlich in einer der unzähligen Strassenküchen oder in einem kleinen Restaurant um die Ecke. Zur Begrüssung wurden uns frische Äpfel und spezielle Birnen angeboten – eine willkommene Abwechslung nach mongolischem Milchtee. Genüsslich assen wir die Früchte – doch erst nachdem wir sie mit dem Schweizer Taschenmesser geschält hatten. A propos Taschenmessen: Noch nie im Leben nutzten wir das Taschenmesser so oft wie auf dieser Reise – ein unverzichtbarer Begleiter…

Die Möbel in dieser Wohnung gaben einen interessanten Mix aus asiatischem und skandinavischem Design ab. Zu unserer Überraschung stammt der grosse Teil der Möbel aus der IKEA. Erkennen konnte man dies sehr gut an den vielen Etiketten, die noch überall klebten – sogar an der Duschkabine und WC-Schüssel. Wenn man bedenkt, dass die Wohnung mehr als 1.5 Jahre alt ist…

Über eine schmale Treppe gelangte man in den oberen Stock. Auf der Rückseite der Treppenwand war ein freistehendes Klo direkt in den offenen Raum montiert – was uns erst etwas irritierte. Doch dank einer weiteren Trennwand mit Lavabo und Spiegel war sie schliesslich abgeschirmt – zumidest optisch. Diese Kombination erinnerte an ein Hotelzimmer.

Das asymmetrische Giebeldach fanden wir – zusammen mit dem Zugang zur Terrasse und dem Dachfenster mit Blick zu den Sternen – architektonisch sehr gut gelöst. Verstärkt wurde die Dachform durch die etwas anders akzentuierte beige Farbe an der Stirnseite des Raumes.

Das Bett war auf einem kleinen Podest, welches sich als «Raumwunder» entpuppte. Ohne diese möbelartige Ebene wäre es beengend gewesen – so aber wirkte es grosszügig und war zudem sehr praktisch. Im Holzelement beim Kopfende können Sachen verstaut werden – oben wie auch seitlich. Es ist nicht erkenntlich, ob die Auswahl der Möbel sehr gut gewählt oder ob diese extra für den Raum angefertigt wurden.

Stadtoase: Der begrünte Innenhof

Stadtoase: Der begrünte Innenhof

Links im Bild die zur Stadt trennende Backsteinmauer, dahiner der Innenhof.

Links im Bild die zur Stadt trennende Backsteinmauer, dahiner der Innenhof.

Shanghai ist völlig anders als Peking: In den Strassen gibt es Baum-Alleen und nette Kaffees: Unsere Wohnung befand sich im Französischen Viertel in einem mehr als hundertjährigen, mehrstöckigen Haus. Durch ein Treppenhaus gelangten wir in unsere Wohnung. Im ersten Stock befand sich die Küche. Sie besteht aus zwei elektrischen Herdplatten und einem Toast-Ofen.

Wohnung in Shanghai, Möbel und Objekte zeigen den Mix von Kulturen und Zeiten

Diese Wohnung in Shanghai wird von einem Paar bewohnt: Er ist französisch-stämmiger Fotograf und sie Chinesin, ebenfalls eine Fotografin. Die Räume waren sehr hoch und das grosse Zimmer auf dem Bild befand sich im Zentrum der Wohnung – und sorgte für ein angenehmes Gefühl von Raum und Grosszügigkeit.

Abgesehen von der runden Papierlampe war hier nichts «ab Stange». Im Vergleich zur Wohnung in Peking wies sie ein Sammelsurium von Gegenständen auf – ein Hauch von Brockenstube. Es könnte sein, dass das eine oder andere Objekt schon immer zum Haus gehört hatte und wohl auch schon einiges miterlebt hatte…

Die kleinen Hocker vor dem Spiegel fallen mir als «stuhlfixierten» Designer sofort auf. Auch auf den Strassen Chinas sieht man ähnliche Hocker vor Verkaufsläden oder Werkstätten. So schön wie diese sind die jedoch selten. Meist sind sie mit Draht oder Schnur geflickt, spannend sind jedoch alle.

Kleine Details in Shanghai - eine Fischfalle als Leuchte

Überall gibt es Details zu entdecken. Hier zum Beispiel wurde eine geflochtene Fisch-Falle zur Leuchte umfunktioniert. Das Geflecht wirft zarte Schatten und erzeugt eine romantische Stimmung, ganz im Kontrast zur ursprünglichen Nutzung des Objekts.

IKEA-Tabularasia-II_07

Modeschau in Shanghai: Aufgrund der engen Platzverhältnisse hängen viele Menschen ihre Kleider zum Trocknen nach draussen vor die Fenster.

© by Florian Hauswirth
Tags: Japan Katia Ritz Mongolei Peking Shanghai Tabularasia Tokyo Wohnen in China

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